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Die Verheißung ist eine freie Gabe PDF Drucken E-Mail

von C.H. Spurgeon

»Durch seine göttliche Kraft sind uns die teuren und allergrößten Verheißungen geschenkt.«
2. Petrus 1,4


Man achte auf das Wort »geschenkt«: Die teuren und allrgrößten Verheißungen sind uns geschenkt. Wir verdanken alles dem Geschenk Gottes. Wir leben von göttlicher Barmherzigkeit. Alles, was wir haben, haben wir als eine Gabe empfangen, und alles, was wir noch bekommen sollen, empfangen wir auf dieselbe Weise. »Der Tod ist der Sünde Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben« (Römer 6,23). Wir sind nicht imstande, etwas zu verdienen, aber Gott ist imstande, alles zu geben. Die Ewigkeit muß ganz und gar eine Gabe sein, eine freie Gabe, eine unverdiente Gabe, eine freiwillige Gabe göttlicher Liebe. Die Verheißung der Seligkeit ist von gleicher Natur.

»Geben ist seliger als Nehmen«, und der, der am allerseligsten ist, der ewig selige Gott, hat seine Freude am Geben. Es ist ebenso sehr seine Natur, zu geben, wie es die Natur der Sonne ist, zu scheinen, oder die eines Stromes, zu fließen. Wie selig sind wir, daß wir Empfänger sind! Das empfinden wir noch viel stärker, wenn wir darüber nachdenken, wie notwendig es ist, daß wir empfangen.

Wir sind ohne Leben, ohne Licht, ohne Hoffnung und ohne Frieden, wenn wir ohne Gott sind. Wenn uns Gott nicht nach dem Reichtum seiner Gnade gibt, so sind wir mehr als arm, bloß und bedauernswert, wir sind zugrunde gerichtet und verloren. Unmöglich, daß wir solche reichen Gaben verdienen könnten; selbst wenn wir irgend etwas verdienen könnten, so müßten diese Gaben doch ohne Geld und umsonst zuteil werden. Eine Verheißung Gottes muß ein Gnadengeschenk sein: Wir können nicht beanspruchen, daß Gott uns seine Gunst und die unschätzbaren, damit verbundenen Güter verheißt.

Das verdeutlicht, welche Haltung wir einnehmen sollten. Stolz steht abhängigen Leuten schlecht an. Wer von Gaben lebt, sollte demütig und dankbar sein. Wir sind Bettler an der Tür der Barmherzigkeit. Sooft unser Herr vorübergeht, bitten wir, und er gibt. Und wir sind auch nicht verwundert, daß wir von seiner Liebe empfangen, denn er hat verheißen, große Güter zu verleihen. Er lehrte uns beten : »Unser tägliches Brot gib uns heute«, und deshalb schämen wir uns nicht und fürchten uns auch nicht, ihn um alles zu bitten. Unser Leben ist insofern ein Leben der Abhängigkeit, und wir freuen uns, daß es so ist. Es ist gut, alles aus den Händen unseres gekreuzigten Herrn entgegenzunehmen. Glücklich die Armut, die uns dahin führt, in Christus reich zu sein. Wir erwerben uns nichts und empfangen doch alles, dreifach gesegnet als stündliche Teilnehmer an der Gnade Gottes. »Durch sie sind uns die teuren und allergrößten Verheißungen geschenkt.«

Diese Erkenntnis, daß die Verheißung als reines Geschenk zu uns kommt, sollte alle außerordentlich ermutigen, die ihren verlorenen Zustand fühlen und eingestehen, daß sie geistlich bankrott sind. Für sie ist es ein Wort der Ermunterung, daß uns alles frei von Gott geschenkt wird. Warum sollte er ihnen nicht ebenso gut etwas schenken wie anderen Bedürftigen? Diejenigen, die sich in Gott freuen, haben alle Dinge als eine freie Gabe empfangen; warum sollten nicht andere das gleiche erhalten? Man sagt: »Nichts ist freier als eine Gabe«, warum solltest du, mein Leser, sie nicht ebenso gut bekommen wie ich selbst?

Für einen, der zum Geben bereit ist, ist die Armut des Empfängers ein Anreiz und nicht ein Hindernis. Kommt also, ihr, die ihr ohne Verdienst seid, Christus will euer Verdienstt sein. Kommt, ihr, die ihr keine Gerechtigkeit habt, er will eure Gerechtigkeit sein. Kommt, ihr, die ihr so voller Sünde seid, wie man es nur sein kann, und der Vergebende will eure Sünden hinwegnehmen. Kommt, ihr, die ihr ganz verloren seid, und laßt euch in Jesus reich machen.
Hier braucht sich niemand des Betteins zu schämen. Ein Bettler braucht kein Handelskapital. Alte, geflickte Schuhe, abgetragene Lumpen - das sind eine passende Livree für einen Bettler. Seid ihr nicht, geistlich gesehen, so gekleidet? Je ärmer der Elende, desto willkommener ist er an der Tür göttlicher Barmherzigkeit. Je weniger Eigenes du hast, desto willkommener bist du ihm, der frei gibt und es niemandem aufdrängt.

Je mehr du fühlest deinen Schaden und willst nur selig sein aus Gnaden, je freundlicher blickt er dich an.
Ja, es ist alles eine Gabe. Das ist das Evangelium, das wir gesandt sind, euch zu predigen: »Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verlorengehen, sondern das ewige Leben haben« (Johannes 3,16). »Und das ist das Zeugnis, daß uns Gott das ewige Leben gegeben hat, und solches Leben ist in seinem Sohn« (1. Johannes 5,11). Von Seiten Gottes ist alles ein Geben, auf unserer Seite ein Empfangen. Die Verheißung ist schon gegeben und umsonst gegeben. Sie wird erfüllt werden und umsonst erfüllt werden. Gott beginnt nicht mit Geben und fordert dann später einen Preis. Für den Empfang seiner Gnade ist keine Gebühr zu zahlen. Keinen Pfennig fordert oder empfängt er; seine Liebe ist ganz und gar eine Gabe. Als solche kannst du seine Verheißung annehmen; von einer Bedingung ist nichts zu hören.

Das Wort unseres Textes ist eine deutliche Einladung für die Ärmsten der Armen. Daß sie doch mutig genug wären, sie anzunehmen! Die große Glocke läutet und läutet, damit alle, die zu dem großen Tisch der unendlichen Freigebigkeit kommen wollen, sie hören und herzukommen möchten. Frei, nach dem Reichtum seiner Gnade verheißt Gott Errettung und ewiges Leben allen, die an seinen Sohn Jesus Christus glauben. Seine Verheißung ist fest und gewiß - wie kommt es, daß die Menschen sie nicht glauben?

Was sagst du zu der Verheißung, die so frei allen Gläubigen gegeben ist? Willst du sie glauben und dadurch leben?

 
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